Dresden

Interview mit dem Geschäftsführer Peter Großpietsch zu höheren Gehältern in der stationären Pflege

Herr Großpietsch, Sie planen ab dem 1.1.2020 alle Mitarbeitenden im Bereich stationäre Pflege nach TVöD zu bezahlen. Dazu gehören Pflege- und Betreuungskräfte sowie Alltagsbegleiter. Warum möchten Sie die Gehälter an den TVöD anpassen?

Welche herausfordernde Arbeit die Mitarbeiter der Pflege tagtäglich in unseren Einrichtungen leisten kann nur Derjenige einschätzen der diese Arbeit erbringt bzw. Derjenige der gepflegt wird. Der Beruf erfordert einen hohen Ausbildungsstand sowie eine menschliche Ader, kurz Empathie genannt. Aufgrund der körperlichen wie auch seelischen Belastungen der Mitarbeiter gehört der Beruf der Pflege meines Erachtens mit zu den großen Herausforderungen unserer Arbeitswelt. Viel zu lange war der Öffentlichkeit dies nicht bewusst, da es in der Gesellschaft nicht diskutiert wurde. Aufgrund der Zunahme der Pflegebedürftigkeit der Bevölkerung ist all dies erst in den letzten Jahren in den Fokus geraten.

Um unseren Mitarbeitern diese Belastung auch finanziell in wertschätzender Weise zu vergelten und sie zu motivieren ihr tagtägliches Bemühen um die ihnen anvertrauten Menschen auf einem hohen Niveau zu halten, sahen wir es für zwingend geboten eine angemessene Vergütung mit den Leistungsträgern zu verhandeln. Hier bot der TVöD einen guten Ansatzpunkt.

 

Was erhoffen Sie sich von der Gehaltserhöhung?

Wie alle Unternehmen stehen auch wir im Wettbewerb. Daran ändert auch nichts die Tatsache, dass wir als gemeinnützige GmbH ohne Gewinnerzielungsabsicht agieren, ja agieren dürfen.

Für diesen unseren Auftrag benötigen wir motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter. Um Mitarbeiter zu werben, aber auch um Bestandsmitarbeiter im Unternehmen zu halten ist die Frage der Lohngestaltung ein ganz wichtiger und entscheidender Punkt. Wie wir feststellen mussten, hat sich die Höhe der Vergütung in den letzten Jahren erheblich nach oben entwickelt. Dies bedeutet, dass wir uns diesbezüglich auch mit unseren Konkurrenten auseinandersetzen müssen, das heißt im besten Fall auch hier die Nase vorn zu haben.

In der jüngsten Zeit mussten Pflegestationen sowie auch ganze Pflegeheime schließen, da die Versorgung aufgrund fehlender Mitarbeiter nicht mehr gewährleistet werden konnte. Man hatte einfach übersehen, dass qualifizierte Arbeit auch entsprechend vergütet werden muss, weil andernfalls Mitarbeiterfindung und –bindung nicht funktioniert. Leidtragende sind die Bewohner der Pflegeheime.

Wir gehen überdies davon aus im Rahmen der nunmehrigen Lohngestaltung die hohe Anzahl von Zeitarbeit in unserem Unternehmen erheblich nach unten korrigieren zu können. Zeitarbeit bedeutet nicht nur eine erhöhte finanzielle Belastung für das Unternehmen, sondern gleichfalls eine Gefahr für den sozialen Frieden. Während Zeitarbeiter ihre Arbeitszeit mehr oder weniger selbst bestimmen können müssen die Bestandsmitarbeiter die belastenden Dienste wie Schicht-Nacht-und Wochenendarbeit übernehmen. Dies führt naturgemäß zu Spannungen.

 

Welche Benefits bieten Sie Ihren Mitarbeitenden neben einer angemessenen Vergütung?

Da Lohngestaltung im Unternehmen nicht alles ist versuchen wir unseren Mitarbeitern, dort wo es möglich ist, zusätzliche Anreize zukommen zu lassen. So haben wir z. B. in der letzten Zeit die Möglichkeit des Jobrades als auch des Jobtickets unterbreitet. Von beiden Benefits wird rege Gebrauch gemacht. Weitere innerbetriebliche Veranstaltungen wie Teamevents sowie die Möglichkeit der Teilnahme an Sport und Kulturveranstaltungen sind für uns selbstverständlich.

Das Interview führte Klaudia Deuchert, Referentin für Unternehmenskommunikation bei der ASB Dresden & Kamenz gGmbH.

Peter Großpietsch, Geschäftsführer ASB Dresden & Kamenz gGmbH

Peter Großpietsch, Geschäftsführer ASB Dresden & Kamenz gGmbH

Foto: ASB Dresden & Kamenz