Pflegestärkungsgesetz II

Herausforderung und Chance: Die ASB Dresden & Kamenz gGmbH wählt ab 2017 das mäeutische Pflegesystem und sucht zehn engagierte Mitarbeiter

Die Umsetzung des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) in die Praxis war in diesem Jahr das bestimmende Thema für die ASB Dresden & Kamenz gGmbH. Bereits im Januar hatte sich im ASB Seniorenheim „Am Gorbitzer Hang" eine Projektgruppe gebildet und mit den vielschichtigen Änderungen beschäftigt. Ab 2016 wird der Begriff „Pflegebedürftigkeit" neu definiert, es gibt ein neues Begutachtungsverfahren, und an die Stelle der bisherigen drei Pflegestufen treten fünf Pflegegrade. Um allein diese Änderungen in der Praxis umzusetzen, waren zahlreiche Schulungen erforderlich, mussten das Abrechnungssystem einschließlich Software sowie das Qualitätsmanagement angepasst werden.

Entbürokratisierung der Pflegedokumentation

Das Gesetz eröffnet aber auch die Möglichkeit, die Bürokratie im Pflegealltag konsequent zu reduzieren. Das ist vom Gesetzgeber nicht bindend. Interessierte Pflegeeinrichtungen können sich aber für das Projekt "Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation (www.ein-step.de) anmelden. Bundesweit hatten sich per 18.11 etwa 45 % der 12.400 Pflegeheime für die Teilnahme an diesem Projekt entschieden. Auch das ASB Seniorenheim „Am Gorbitzer Hang" hat diesen Weg gewählt.

Die Dokumentation der Pflege ist künftig nicht mehr „verrichtungsorientiert", indem sie jeden Arbeitsgang minutengenau erfasst, sondern „beziehungsorientiert" und konzentriert sich auf Abweichungen vom Pflegeplan, auf individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten des Bewohners. Für den Geschäftsführer der ASB Dresden & Kamenz gGmbH liegen die Vorteile auf der Hand: „Indem wir den Blick nicht auf die Defizite, sondern auf die Fähigkeiten des Bewohners lenken, helfen wir ihm, so lange wie möglich aktiv zu bleiben. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir ihn beim Essen unterstützen und nicht füttern, ihm beim Waschen helfen statt das Waschen mit Blick auf die Uhr komplett übernehmen."

Entscheidung für das mäeutische Pflegesystem

Bei diesem beziehungsorientierten Modell geht das ASB-Pflegeheim noch einen Schritt weiter. Es hat sich für das mäeutische Pflegemodell entschieden, das auf den Erfahrungen und Erlebnissen der Mitarbeiter mit den ewohnern aufbaut. So gibt es einen intensiven Austausch unter den Mitarbeitern zu den einzelnen Bewohnern, ihrer Biografie und ihren Verhaltensweisen, um gemeinsam die Fähigkeiten und die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen zu ergründen und einen Pflegeplan zu erarbeiten. Das ist besonders bei dementen Bewohnern wichtig, welche ihre Bedürfnisse oft nicht mehr selbst artikulieren können. Am Anfang wird für jeden Bewohner eine strukturierte Informationssammlung (SIS) angelegt. Dafür wird in der nächsten Zeit mit jedem der 243 Bewohner ein Gespräch geführt und im Anschluss ein neuer Pflegeplan erstellt, der auf der fachlichen Einschätzung des Bewohners durch das Personal basiert.

„Dieses Modell bedeutet auch eine stärkere Anerkennung der Fachkompetenz der Pflegekräfte", so Ulrich Grundmann. „Außerdem unterstreicht es die große Verantwortung, die sie übernehmen für die pflegebedürftigen Menschen. Ich hoffe, dass der Pflegeberuf damit auch gesamtgesellschaftlich eine Aufwertung erfährt und für junge Menschen attraktiver wird."

Bei beziehungsorientierter Pflege wird ein größerer Personalbedarf erwartet

Das beziehungsorientierte Herangehen an die Pflege erfordert nach Einschätzung von Ulrich Grundmann einen höheren Zeitaufwand und demzufolge mehr Personal. Daher ist die ASB Dresden & Kamenz gGmbH in Verhandlungen mit der Pflegekasse eingetreten und hat um einen höheren Personalschlüssel für das ASB Seniorenheim in Dresden gekämpft. Mit Erfolg - etwa acht Prozent mehr Personalkosten wurden dem Haus bewilligt. Das bedeutet, dass zusätzlich zu den bisher 120 Mitarbeitern in der Pflege etwa zehn neue Mitarbeiter eingestellt werden können.

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Einführung des Pflegestärkungsgesetzes eine Herausforderung. Denn künftig wird der finanzielle Eigenanteil des Bewohners für die pflegerischen Leistungen in den Pflegegraden 2 bis 5 einheitlich bleiben. Bisher war er bei einer Einstufung in die nächsthöhere Pflegestufe aufgrund des Mehraufwandes jeweils gestiegen. Das löste bei vielen Menschen finanzielle Sorgen aus. Für die Pflegeheime jedoch ist es aufgrund des stabilen Eigenanteils der Bewohner künftig sehr schwer, den Personalbedarf zu planen. Niemand weiß, wie sich die Struktur der Bewohner künftig zusammensetzen wird.

Auch aus diesem Grund ist es ein großer Erfolg, dass dem ASB-Seniorenheim „Am Gorbitzer Hang" ein höherer Personalschlüssel bewilligt wurde. „Was mich erstaunt - von mehr als 600 Pflegeheimen in Sachsen haben nur zirka 20 die Verhandlung mit den Pflegekassen aufgenommen", erzählt Ulrich Grundmann. „Der Großteil hat die automatische Umstellung auf die neue Gesetzeslage bei gleichen Pflegesätzen gewählt. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass wir die Verhandlungen so erfolgreich geführt haben – nicht nur im Sinne der Bewohner, sondern auch unserer Mitarbeiter. Sie können sich künftig mehr Zeit nehmen für den einzelnen Bewohner, und das wirkt sich auf die Zufriedenheit aus."

Neue Mitarbeiter werden gesucht

Die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden sind ein zentrales Thema bei der ASB Dresden & Kamenz gGmbH. Zahlreiche Maßnahmen zielen auf die Zufriedenheit und die Gesundheit der Kollegen ab. „Um die Menschen, die im Pflegeheim ihren Lebensabend verbringen, optimal zu betreuen, brauchen wir einen treuen Stamm an engagierten Mitarbeitern. In diesem Sinne wollen wir unser Team verstärken und suchen neue Kollegen, die uns bei der Umsetzung unserer Pflegephilosophie unterstützen wollen." Interessenten melden sich unter bewerbung@asb-dresden-kamenz.de oder Telefon 0351/ 4182269.